Sie sind hier: Landtagswahl 2012 › Spitzenkandidaten › Heinz Dabrock › Lebenslänglich für die Bildung
Lebenslänglich für die Bildung
Aus persönlicher Überzeugung und aus meinem beruflichen Verständnis als Lehrer sehe ich im Nachwachsen einer gut gebildeten Generation die Grundlage für das gesamte Gemeinwesen.
Einige politische Ansatzpunkte
- verpflichtende Elternseminare zur Kindesentwicklung
- frühe Kontrolle / Förderung der Sprachentwicklung in der deutschen Sprache
- beitragsfreies verpflichtendes drittes Kindergartenjahr
- effiziente schulische Förderstrukturen
- weg vom 45-Minutentakt hin zu länger dauernden Unterrichtseinheiten
- sorgsam gestaltete Übergänge zwischen den Schulformen
- bessere Verzahnung mit der nachschulischen Bildung ohne zu instrumentalisieren
- flächendeckende Bereitstellung von Ganztagsschulen in allen Schulformen
- elterngerechte Arbeitszeitmodelle und Arbeitsplatzstrukturen
- Bildungstransfer in Generationen-Begegnungsstätten
- Reform des rigiden Punktesystems im Studium zugunsten individueller Freiräume
- Programme zur innerbetrieblichen Weiterqualifikation in der Wirtschaft
- Fortbildungsgebot für alle Berufsfelder
- Eingliederungsmaßnahmen für Eltern beim Wiedereinstieg nach Erziehungszeiten
- gezielte Erstellung von Arbeitsplatzprofilen für ein längeres Erwerbsleben
- Maßnahmen zum Transfer der Erfahrungskompetenz der älteren Arbeitnehmer
Bildungswesen als gesellschaftlicher Längsschnitt
Bildung ist für mich sowohl ein individuelles als auch ein gesellschaftliches Merkmal. Bildung begleitet einerseits den Menschen durch sein ganzes Leben, andererseits bestimmt sie wesentlich die äußeren Rahmenbedingungen in Wirtschaft und Sozialleben mit. Die bekannten Slogans „Bildung macht stark“ und „Bildung ist Zukunft“ bringen diese beiden Dimensionen von Bildung auf den Punkt.
Die veränderten Anforderungen in der Erwachsenenwelt erzwingen nach meiner Berufsauffassung als Lehrer ein Umdenken im Schulsystem. Die Vermittlung von unmittelbar anwendbarem Wissen tritt zugunsten langfristig angelegter Kompetenzen zurück. Natürlich geht der Erwerb von Kompetenzen nicht ohne Inhalte, aber die Prioritäten verschieben sich. Ein kurzfristig angelegtes Lernen nur für Noten bringt den Lernenden für die persönliche Entwicklung kaum Vorteile.
Meine Überzeugung ist, dass sich ein gebildeter Mensch eine viel differenziertere eigene Meinung bilden kann, indem er Informationen filtert und sachgerecht verarbeitet. Dadurch erlangt er Selbstständigkeit und Selbstbewusstsein. Positive Auswirkungen auf unser demokratisches System sind inbegriffen: Ein mündiger Bürger lässt sich nicht nur regieren, er wird mitbestimmen wollen – und seine Bildung ebnet ihm viele Wege, dies auch in Angriff zu nehmen.
Eine das gesamte Erwerbsleben lang bedarfsgerecht tragende einmalige (berufliche) Bildung ist nicht mehr zielführend. Dazu sind die Veränderungen und Verschiebungen in den Tätigkeitsprofilen zunehmend gravierend und oft recht schnelllebig. „Lernen lernen“ ist eine der Schlüsselqualifikationen. Ein Versäumnis unserer Gesellschaft ist, dass die Erwerbstätigen die für das Lernen erforderliche Zeit und die Gelegenheiten oft nicht erhalten und dass die Motivationslage zum lebenslangen Lernen nicht ausreichend thematisiert wird.
Je besser eine Person ausgebildet ist, desto geringer ist das Risiko einer dauerhaften Arbeitslosigkeit. Im Gegenteil: Es bestehen wesentlich mehr Möglichkeiten, den Arbeitsplatz aus freien Stücken wechseln zu können. Die Abhängigkeit vom Unternehmen wird reduziert. Ich habe häufig den Eindruck, dass Unternehmen die vorhandene Qualifikation von Arbeitnehmern so lange nutzen (ohne sie weiter zu entwickeln), bis anders qualifizierter Nachwuchs bereit steht. In Zeiten des demographischen Wandels führt diese Strategie in den Untergang der wirtschaftlichen und sozialen Systeme.
Mit meiner Kandidatur zum Landtag trete ich auch dafür ein, Bildung lebenslang immer wieder aufzufrischen – nicht nur zufallsbestimmt, sondern systematisch. Die staatliche Forderung einerseits und der individuelle Wunsch andererseits nach längeren, aber auch anders gestalteten Erwerbsbiographien machen zielgruppenorientierte Fortbildungsstrukturen unerlässlich, sowohl in der staatlichen Verwaltung als auch in der freien Wirtschaft.
Bildung ist ein Standortfaktor. Die Wirtschaft ist auf qualifizierte Arbeitskräfte angewiesen. Und diese kommen letztendlich aus Familien und haben eine Schulbildung hinter sich gebracht. Dass in Deutschland der schulische Erfolg sehr stark mit dem Elternhaus verknüpft ist, ist Warnung und Chance zugleich. Warnung, dass die Förderstrukturen in den Schulen verbessert werden müssen, und die Chance, dass eine Stärkung der Familien mittelfristig auch zu besserer Bildung in der Arbeitnehmerschaft führen kann. Die Bildungsqualität der potenziellen Arbeitskräfte ist ein Ansiedelungsfaktor für Unternehmen mit hochwertigen Arbeitsplätzen. Und hier schließt sich der Kreis.


